{"id":610,"date":"2018-11-06T15:11:10","date_gmt":"2018-11-06T13:11:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.czakai.de\/wordpress\/?p=610"},"modified":"2018-11-06T15:11:10","modified_gmt":"2018-11-06T13:11:10","slug":"heinrich-goldemund","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.czakai.de\/wordpress\/heinrich-goldemund\/","title":{"rendered":"Sozialer Aufstieg im 19. Jahrhundert. Heinrich Goldemund und seine famili\u00e4re Herkunft"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Heinrich-Goldemund-(vor-1914).jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-large\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/d\/df\/Heinrich-Goldemund-%28vor-1914%29.jpg\" width=\"200\" height=\"480\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Heinrich Goldemund, Quelle: wikimedia.commons<\/p><\/div>\n<p>Der wohl ber\u00fchmteste Vertreter der Familie Goldemund war der Wiener Stadtbaudirektor Heinrich Goldemund (1863-1947). Als Stadtplaner war er mit f\u00fcr die Gestalt der expandierenden Kaisermetropole verantwortlich und wirkte von 1913 bis 1920 schlie\u00dflich als Stadtbaudirektor. All diese Stationen seines Lebens sowie seine sp\u00e4tere Sympathie f\u00fcr das NS-Regime lassen sich vielfach nachlesen[1] und sollen hier nicht wiederholt werden. Uns interessiert an dieser Stelle vielmehr seine famili\u00e4re Herkunft sowie die faszinierende Verbindung zu all den anderen Goldemunds in Wien, \u00d6sterreichisch-Schlesien sowie in verschiedenen Kronl\u00e4ndern der Donaumonarchie. Ich freue mich \u00fcber Erg\u00e4nzungen und Korrekturen.[2]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heinrich Goldemund wurde am 13.\u00a0August 1863 in der \u00fcberwiegend tschechisch gepr\u00e4gten m\u00e4hrischen Kleinstadt Kojet\u00edn (deutsch Kojetein) als uneheliches Kind geboren.[3] Seine Mutter war Anna Kotek (1837-1912), Tochter des Kojet\u00edner Schusters Martin Kotek (Kottek) und dessen Frau Veronika Nowak. Sein gleichnamiger Vater Heinrich Goldemund (1838-1888) diente zu diesem Zeitpunkt als Feuerwerker in der k.u.k. Armee. Wann genau seine Eltern heirateten, ist mir bislang nicht bekannt, doch es muss sp\u00e4testens sechs Jahre nach seiner Geburt geschehen sein, denn 1869 wurde er als Heinrichs Sohn legitimiert. Etwa in dieser Zeit m\u00fcssen die Eltern nach Wien gezogen sein, wo sein Vater Heinrich seit 1875 in den Adressb\u00fcchern nachweisbar ist. Dort wirkte dieser bis zu seinem Tod als Dekanatsdiener der medizinischen Fakult\u00e4t an der Universit\u00e4t Wien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vater Heinrich stammte aus Hotzenplotz (Osoblaha), einer Kleinstadt, die als m\u00e4hrische Exklave an der Grenze zum preu\u00dfischen Teil Schlesiens lag. Dort wurde er 1838 als Sohn des Schuhmachermeisters Augustin Goldemund (1793-1867) geboren. Seine Mutter Johanna Visconti (um 1795-1873) stammte aus einer v\u00f6llig anderen Region und auch Konfession.[4] Ihr Vater Alexander Visconti war als Maler im preu\u00dfischen Magdeburg t\u00e4tig, wo er 1786 B\u00fcrger der Pf\u00e4lzer Kolonie geworden war. Sein Name verweist darauf, dass der eigentliche Ursprung der Familie in Italien lag und er vermutlich aus einer Waldenser-Familie stammte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_585\" style=\"width: 343px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.czakai.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/heinrichgoldemund-grab1.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-585\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-585 size-full\" src=\"http:\/\/www.czakai.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/heinrichgoldemund-grab1.jpg\" alt=\"\" width=\"333\" height=\"270\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-585\" class=\"wp-caption-text\">Heinrich Goldemunds Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof, Quelle: privat<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Augustin Goldemund hatte au\u00dfer Heinrich mindestens f\u00fcnf weitere Kinder, von denen drei eigene Familien gr\u00fcndeten:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">* August Goldemund (um 1816-1886) war Gutsverwalter in dem Grenzort Endersdorf (Ond\u0159ejovice). Er blieb unverheiratet und wurde in seinem Haushalt von seiner ebenfalls ledigen Schwester Emilie Goldemund (um 1819-1879) unterst\u00fctzt.<br \/>\n* Josef Philipp Rudolf Goldemund (1825-?) f\u00fchrte das Handwerk seines Vaters fort und zog als Schuhmachermeister nach Wien. Hier heiratete er 1860 Katharina R\u00f6der aus Oberfranken und hatte mit ihr mindestens vier Kinder.<br \/>\n* Auch Richard Johann Goldemund (1837-1921) wurde Schuhmachermeister, blieb jedoch zun\u00e4chst in Hotzenplotz. Erst sp\u00e4ter zog auch er nach Wien, wo uns u.\u00a0a. sein Sohn Paul Goldemund (1872-1957) als Kaufmann begegnet.<br \/>\n* Augustins f\u00fcnfter Sohn, Rudolf Alexander Goldemund (1834-?), blieb in Hotzenplotz und Umgebung. Hier war er in der Lokalverwaltung t\u00e4tig, wurde zun\u00e4chst Schriftf\u00fchrer in Liebenthal (Lipta\u0148) und Reserve-Korporal beim 1. Genie-Regiment. Ab 1868 war er Stadtsekret\u00e4r in Hotzenplotz. Sein Sohn Rudolf Robert Goldemund (1865-?) war in den 1890er Jahren als Ingenieur in Schweden aktiv und zog 1896 nach Norwegen. Ein Enkel Rudolf Alexanders, Emil Rudolf Goldemund (1886-1959) lebte in Graz. Von dessen S\u00f6hnen wanderten zwei, Rudolf Goldemund (1912-?) und Viktor Goldemund (1913-?) nach Brasilien aus und begr\u00fcndeten den dort bis heute bestehenden Familienzweig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Offensichtlich kannten sich die Goldemund-Vettern in Wien. So war der Sohn des Stadtbaudirektors, Dr.-Ing. Heinrich Goldemund (1897-1989), Trauzeuge bei seinem Vetter 3.\u00a0Grades, dem Ing. Paul Goldemund (1906-1941, Sohn des Kaufmanns Paul).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch der soziale Aufstieg hatte nicht erst mit den Kindern Augustins und deren Umzug von der Peripherie in die Hauptstadt Wien begonnen. Sein gleichnamiger Vater Augustin Goldemund (1756-1843), also der Urgro\u00dfvater des Stadtbaudirektors, war Lehrer in den D\u00f6rfern Bartelsdorf (Bartultovice) und Waissak (Vysok\u00e1) und verf\u00fcgte somit bereits \u00fcber eine \u00fcber den Durchschnitt hinausreichende Bildung, die er sicherlich seinen Kindern und Enkeln mit auf den Weg gab. Schon sein Sohn Joseph Goldemund (1796-nach 1854) trat in den Staatsdienst ein. Nachdem er Zollaufseher in Deutsch Paulowitz (Slezsk\u00e9 Pavlovice) gewesen war, wechselte er 1827 als Amtscontrolleur der k.\u00a0u.\u00a0k. Grenzpolizei nach J\u00e4gerndorf (Krnov) und sp\u00e4ter als k.\u00a0u.\u00a0k. Hauptzahlamts-Einnehmer nach Olm\u00fctz (Olomouc).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein anderer Sohn des Lehrers Augustin, Johann Goldemund (1779-?), wurde Syndikus und erster Magistratsrat in Hotzenplotz. Auch dessen S\u00f6hne traten Beamtenlaufbahnen ein:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">* Heinrich Goldemund (1824-?) als k.\u00a0u.\u00a0k. Bezirksgerichtskanzlist in Hotzenplotz. Gegen ihn wurde 1861 wegen Diebstahls und Unterschlagung ermittelt.<br \/>\n* Johann Nepomuk Goldemund (1829-1902) zog in die Hauptstadt Wien und wurde dort zun\u00e4chst k.\u00a0u.\u00a0k. Ober-Telegrafist und sp\u00e4ter Postcontrollor. Seine Kinder waren ebenfalls als Telegrafistinnen und Postbeamte t\u00e4tig.<br \/>\n* Wilhelm Goldemund (1826-?) lebte zun\u00e4chst in Troppau (Opava). Um 1853 zog er als Finanzbeamter nach Ungarn, wo er zun\u00e4chst Amts-Praktikant und kurz darauf Kanzlei-Assistent III. Klasse in Eger (deutsch Erlau) war. Von dort wechselte er 1857 als Assistent nach Budapest (sowohl in Buda als auch in Pest), wo er sp\u00e4ter zum Linienamts-Controllor und Hauptamts-Offizial bef\u00f6rdert wurde. Er folgte vermutlich seiner \u00e4lteren Halbschwester Adelheid Goldemund (um 1808-?), die mit dem Verwalter Franz Appel verheiratet war und sp\u00e4testens seit 1837 in Ungarn lebte. Um die Mitte des Jahrhunderts waren die Goldemunds somit in mindestens vier Kronl\u00e4ndern im Staatsdienst t\u00e4tig.[5]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Lehrer Augustin selbst stammte aus R\u00f6wersdorf (T\u0159eme\u0161n\u00e1) und war Teil der dort weit verzweigten Familie. Zu den weiter entfernten Verwandten aus diesem Ort geh\u00f6rten der Advokat Dr. Franz Goldemund (1830-1897), der 1873-79 und 1882-85 B\u00fcrgermeister der Bezirkshauptstadt J\u00e4gerndorf war, sowie der Wiener Kriminalbeamte Ottokar Goldemund (1883-1979). Die Pr\u00e4senz der Familie in R\u00f6wersdorf geht auf Augustins Urgro\u00dfvater Han\u00df Goldemund (den J\u00fcngeren) (1662-?), zur\u00fcck, der 1696 als Schneider von Liebenthal nach R\u00f6wersdorf gezogen war. Mit diesem gemeinsamen Vorfahren schlie\u00dft sich der Kreis zu meiner Seite der Familie.[6]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anmerkungen:<br \/>\n[1] Siehe u.\u00a0a. <a href=\"https:\/\/www.geschichtewiki.wien.gv.at\/Heinrich_Goldemund\">https:\/\/www.geschichtewiki.wien.gv.at\/Heinrich_Goldemund<\/a>.<br \/>\n[2] Auff\u00e4llig an der vorliegenden Aufstellung ist, dass sie sich vorrangig auf die m\u00e4nnlichen Mitglieder der Familie Goldemund konzentriert. Ich f\u00fchle mich etwas unwohl, so eine patriarchale Sicht auf das Konzept \u201eFamilie\u201f zu reproduzieren. Doch gab es in den genannten Familien tats\u00e4chlich nur wenige T\u00f6chter und \u00fcber diejenigen, deren Namen bekannt sind, lassen ich aufgrund der Quellenlage kaum weitere Informationen sammeln, als Angaben zu ihren Ehen und ihren Ehem\u00e4nnern.<br \/>\n[3] Der \u00dcbersichtlichkeit halber werde ich nicht jedes Ereignis und Datum genau belegen. Die Quellen f\u00fcr alle Angaben in diesem Artikel sind vornehmlich die Matriken der jeweiligen Orte, Adressb\u00fccher der Stadt Wien, Amtsbl\u00e4tter, Schematismen und zeitgen\u00f6ssische Zeitungen. Bei Nachfragen gebe ich gerne detailliert Auskunft.<br \/>\n[4] Mit Ausnahme von Johanna und ihren Eltern waren alle in diesem Artikel genannten Personen katholischer Konfession.<br \/>\n[5] Bislang nicht zuordnen lie\u00df sich der Finanzbeamte Julius Goldemund. 1850 begegnet er uns als Kadett beim 22. Illirischen Inf.-Reg. in Triest; bis 1855 war er Finanzwach-Aufseher in Gro\u00dfwardein, danach Steueramts-Kanzlei-Assistent II. Kl. 1869 arbeitete er als Notariatsadjunkt im ungarischen Visegrad.<br \/>\n[6] Zu Han\u00df Goldemund und dessen weiteren Vorfahren siehe <a href=\"http:\/\/www.czakai.de\/wordpress\/ahnenliste-10\/\">Ahnenliste, Nr. 1408<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der wohl ber\u00fchmteste Vertreter der Familie Goldemund war der Wiener Stadtbaudirektor Heinrich Goldemund (1863-1947). Als Stadtplaner war er mit f\u00fcr die Gestalt der expandierenden Kaisermetropole verantwortlich und wirkte von 1913 bis 1920 schlie\u00dflich als Stadtbaudirektor. 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